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Auszug:
Kleine
Geschichten um den Maihof
Unknown
- Unbekannt.
E
S W A R E I N M A L ein besonders liebes
Pärchen, das sah so schön aus
wie im Märchen. Aber es war kein
Märchen, es gab das Paar wirklich.
Die Dame groß, wohlproportioniert
mit freundlich-strahlendem Gesicht, einem
Riesenhaarschopf, der war blond. Das war
umso bemerkenswerter, als es sich um eine
Negerin mit ziemlich dunkler Haut
handelte. Und er, ein Hühne
groß und stolz, so stellte ich mit
die Massai vor, als diese noch
natürlich lebten. Auch er ein Neger
und fast schwarz. Beide sehr gebildete
Leute, mit denen man sich über Gott
und die Welt unterhalten konnte, keine von
den Scheingebildeten, die hier und da
einen Brocken aufschnappen und ihn mehr
oder weniger unverdaut weitergeben, ohne
Gefühl für die eigentlichen
Zusammenhänge.
Sehr
lieb waren sie. Und natürlich. Und
sie fühlten sich bei uns wohl. Sie
sagten es auch: Dies ist das erste
Mal in unserem Leben, in dem wir uns nicht
nur gleichberechtigt fühlen, sondern
auch als Gleichberechtigte behandelt
werden. Keiner rückt von uns weg,
weil unsere Haut schwarz ist und die seine
weiß, keiner schaut auf uns herab.
Alle sind freundlich und natürlich zu
uns. Wir haben nicht etwa das Gefühl,
daß die Leute sich bemühen,
freundlich und höflich zu sein,
sondern sie sind es einfach. So wohl haben
wir uns bisher nur unter Freunden unserer
eigenen Hautfarbe gefühlt. Wir
wünschten, mehr Schwarze würden
das erleben, mancher Haß und manches
Vorurteil würden
verschinden.
Henry
war Offizier in der amerikanischen Armee.
Nun gab es im Umkreis von 50 Km um den
Maihof seinerzeit sicherlich viele tausend
Amerikaner, die früher mal unsere
Besatzer waren, dann unsere
Verbündeten, und die jetzt mehr und
mehr in die USA zurückkehren. Da das
Swingen oder
Swappen in den USA sehr, sehr
verbreitet ist, sollte man annehmen,
daß aus diesem Kreis viele
Gäste zu uns kamen. Mitnichten. Wir
hatten schon immer mehr amerikanische
Gäste, die zum obligatorischen
Europa-Trip direkt aus Übersee zu uns
kamen, als solche, die hier stationiert
waren.
In
Bezug auf offizielle Moral ist
Amerika ein Land von ziemlichen Heuchlern.
Natürlich tun viele vieles
Unmoralisches, aber das darf
um Himmels willen keiner wissen. Schon gar
nicht in dem geschlossenen Kreis - fast
ein (offenes) Ghetto - der hier
stationiert gewesenen Offiziere. Keine
Extravaganzen, die die Karriere hindern
könnten. Man konnte mit ihnen auch
schlecht in Kontakt kommen. Die einzige
Armee-Zeitung nahm Anzeigen nicht an. So
sind Regina und ich mit unserem
großen schwarzen Hund in der
Ami-Siedlung spazierengegangen und haben
dabei an alle Windschutzscheiben Zettel
mit unserer Werbung geklemmt und die
Briefkästen auch gleich
mitbedient.
Unsere
mehrfachen Nachteinsätze brachten uns
nur ein einziges Paar - nämlich Henry
und Mary, vielleicht waren sie uns auch
deswegen so besonders sympathisch. Halt -
noch eine Reaktion gab es. Der
Provost-Marshal (sowas wie ein
Militär-Sherif) rief mich an und
legte mir dringend nahe, keine Zettel mehr
zu verteilen, sonst würden wir
verhaftet. Mitsamt dem Hund.
Mary
versorgte nicht nur ihren Haushalt,
sondern verdiente noch ein kleines Zubrot
damit, daß sie tagsüber Kinder
in Pflege nahm und sie beaufsichtigte.
Amerikanische Kinder?
Oh, nein. Es sind auch einige Kinder
von deutschen Eltern darunter.
Sprechen die englisch, denn Du
kannst doch kein Deutsch?
Nein, nein, die deutschen Kinden
sprechen kein Englisch. Aber
wie verständigt Ihr Euch dann?
Ganz einfach. Wenn so ein neues Kind
zu mir kommt, dann nehme ich es in meine
Arme, drücke es an meine Brust und
sage: I love you, baby. Das ist alles. Und
wir verstehen uns glänzend. So
eine Frau war die Mary.
War,
sage ich. Und ich hoffe doch sehr,
daß sie und Henry noch sind.
Irgendwo. Und vielleicht sich auch an uns
erinnern.
Henry
trank gern einen guten Weißherbst,
der bei uns an der Weinstraße in
vorzüglicher Qualität angeboten
wird und einem französischen
Rosé in nichts nachsteht. Er hatte
uns zu seinem Geburtstag eingeladen, aber
da konnten wir nicht, denn es war ein
Party-Abend. So sind wir denn am
nächsten freien Tag nachmittags
hingepilgert, mit einem Körbchen
Weißherbst am Arm, um ihm
nachträglich alles Gute zu
wünschen. Sein Auto kannten wir schon
und es stand vor der Tür.
Wir
klingelten - nichts. Kein Geräusch,
kein Kinderlärm - die beiden hatten
auch einen eigenen süßen
Lockenbuben mit großen Kulleraugen,
sah aus wie der Sarotti-Mohr. Niemand da,
aber das Auto stand unten. Wir fragten bei
den Nachbarn nach.
Henry
- wohl ein Spezialist in irgend was -
mußte von einer Stunde zur anderen
mitsamt Frau und Kind in die USA
zurück - irgendwo brannte es und er
sollte das Feuer löschen. Alle
persönlichen Dinge und das Auto
blieben stehen und liegen, die US-Army
würde sich darum
kümmern.
Zwei
wochen später kam ein langer,
schöner Brief von Mary und Henry, in
dem sie die plötzliche Abreise
erklärten und baten, doch brieflich
in Kontakt zu bleiben. Irgendwann
würden sie ja vielleicht auch wieder
mal nach Germany kommen.
Wie
es so geht, kam ich nicht gleich dazu, den
Brief zu beantworten. Vielleicht 2 Wochen
lang lag er auf meinem Schreibtisch - ich
wollte nicht nur 3 Zeilen schreiben. Dann
schrieb ich meinerseits einen
schönen, langen Brief und lud die
beiden ein, doch unsere Gäste zu
sein, wann immer sie in Europa
wären.
Und
der Brief kam zurück.
Unknown - Empfänger
unbekannt. Alle Versuche, die neue
Anschrift herauszubekommen, sind
gescheitert. Unbekannt. Unknown. So
schade. So schade. Es gibt so wenig echte
Freunde. So schade.
F
R E U N D E : Wem es einmal in seinem
Leben so richtig drekig gegangen ist, der
weiß, daß in einer echten Not
manche Freunde sich zu
verdünnisieren pflegen. Und siehe da
- mit dem Erfolg werden die
Freunde wieder sehr, sehr
zahlreich. Das klingt ein wenig bitter,
dabei bin ich doch eigentlich der geborene
Optimist. Nun, der Dichter preist schon
jeden selig, der e i n e n Freund gewonnen
hat. So gesehen sind Regina und ich selig,
denn viele unserer Gäste sind private
Freunde geworden, ohne
Anführungszeichen und auch geblieben,
als es uns schlecht ging.
Der
S P A R S A M E Schwabe und die Super LIVE
- SHOW:
Erzählte
ein Gast an der Maihof-Bar die folgende
Geschichte:
Im
Sternchenzimmer sahen wir ein Paar, das
uns reizte. Gut sahen die beiden aus und
wir hatten den Eindruck, dass sie auch uns
nicht ohne Wohlgefallen bemerkt hatten.
Wir pirschten uns also heran, wie das im
Maihof so üblich ist, und legten uns
daneben. So ganz zufällig ließ
ich dann eine Hand auf den Rücken
meiner schönen Nachbarin wandern und
war überrascht, als eine eindeutige
Abwehrbewegung mir klar machte: Wir waren
unerwünscht. Nun passiert das immer
wieder mal und kann 2 Gründe haben:
Die Leute mögen uns - oder einen von
uns - nicht - oder die Leute lehnen
grundsätzlich jeden Kontakt mit
anderen Paaren ab. Meistens erfährt
man`s ja nicht.
In
diesem Falle erfuhren wir es doch. Wir
beobachteten das Paar noch eine Weile und
stellten fest, dass es auch andere Paare
ablehnte. Rein zufällig saßen
wir später zusammen an der Bar und
ich suchte ein Gespräch: Ihr
habt uns hoffentlich den kleinen
Kontakt-Versuch nicht übel genommen -
aber ihr habt einen so sympatischen
Eindruck auf uns gemacht, dass wir es
einfach mal versucht
haben.
Kein
Problem, aber wir tauschen nicht.
Nach einigen Gläschen ergab sich
dann: Das junge, sehr attraktive Paar
stammt aus Schwaben und macht zweimal
jährlich einen Wochenend-Ausflug in
den Pfälzer Wald. Mit
Fahrrädern. Und den verbinden sie
immer mit einem Besuch im
Maihof.
Ob
das nicht ziemlich teuer sei?
Eigentlich nicht. Wenn ich die
Übernachtung rechne und das Essen mit
Kaffee und Kuchen am Nachmittag, Suppe,
Vorspeise, großem Büffet -
schliesslich noch die Sauna mit
Handtüchern, so kostet das Ganze
für uns beide knapp DM 20.- mehr als
sonstwo. Aber - wo gibt es für DM
20.- eine solche
Super-Live-Show?
In
der Tat ist der Maihof nicht billig, aber
sehr preiswert. Vergleicht man unsere
Leistung mit den Preisen in einem guten
Restaurant, rechnet noch einen
Sauna-Besuch hinzu, so kommt man leicht
auf mehr als den Eintritt bei uns.
Die
Öffnungszeiten sind einmalig: schon
ab 14.00, bis 04.00 Uhr. Das sind 14
Stunden Vergnügungszeit.
Das
eigentliche Vergnügen im Maihof ist
kostenlos.
Das
scheue, junge Paar.
Aller
Anfang ist schwer, besonders mit einem
Club für Paare. Es dauert viele
Jahre, bis so ein Club bekannt ist. Und es
erfordert eine immer gleichmässige
Qualität an Sauberkeit und
Service-Leistung. Und ein immer frisches,
gleich gutes und appetitliches Buffet, von
dem persönlichen Verhalten der
Gastgeber einmal abgesehen. Viele - z.T.
auch frühere Gäste - haben
versucht, einen echten Pärchen-Club
zu gründen. Von mindestens 20 solcher
Versuche in den letzten 20 Jahren im
Umkreis von 100 Kilometern haben sich
ganze 2 halten können.
Es
muß Vertrauen da sein, und das
über eine lange Zeit, bis man einen
so großen Kreis angezogen hat,
daß das Haus nicht nur an den
Spitzentagen sondern immer gut besucht
ist. Da hat es jeder normale
Gastwirt einfacher: Bietet er ein
wohlschmeckendes Essen zu einem
vernünftigen Preis an, stimmt auch
noch der Service, so wird jeder Gast das
Lokal Freunden, Verwandten, Kollegen
empfehlen. Auf diese Weise kommt der Wirt
durch Empfehlung zu
Gästen.
Nicht
so ein Treff für Paare. Wer wird
schon seinen Verwandten und Kollegen
sagen, daß er in einem solchen
Haus war? Das Tratschen würde
kein Ende nehmen. Allenfalls sagt man es
dem einen oder anderen Freund und manchmal
stößt man selbst da auf
völliges
Unverständnis.
So
gibt es also in den ersten Jahren Abende
mit nur wenigen Paaren. Am Anfang - als
das häufiger vorkam - haben wir immer
den besten Wein aus dem Keller geholt,
etwas Besonderes zum Essen angeboten und
außerdem noch als Trostpreis nicht
eine, sondern gleich 2 Freikarten pro Paar
ausgegeben. Das hat zwar wenigstens
unseren guten Willen bewiesen - aber
deswegen kamen die Gäste ja nicht,
vielmehr wollten Sie etwas
erleben.
An
dem Abend, von dem hier die Rede ist -
jetzt fast 20 Jahre zurück- waren 6
Paare anwesend, darunter 4
Neue. Auch die 2 Paare, die
das Haus schon kannten, gehörten
nicht gerade zu der Sorte, die von sich
aus sehr aktiv ist. Man saß also an
der Bar und erzählte und
erzählte, aber Anstalten, nach
oben zu gehen, machte
keiner.
Unter
nach oben gehen versteht man
bei uns, daß man sich seiner
Hüllen - auch der aufgetüncht
zivilisatorischen - entledigt und eine
Etage höher geht, wo auf den
Böden weiche, weiß bezogene
Polster liegen, gedämpftes Licht und
leise Musik für die richtige
Atmosphäre sorgen. Und wo man sein
Vergnügen sucht - zärtlich, lieb
und nett (meist erfolgreich) oder
stürmisch und fordernd (geht fast
immer schief).
In
Porno-Büchern, deren Schreiber
mangels Erfahrung auf die eigene Phantasie
angewiesen sind, gibt es in einer solchen
Situation Party-Spiele. Da werden die
Damen auf verschiedene Räume verteilt
und die Männer erhalten wahllos die
Schlüssel, da werden Lose gezogen
oder Flaschen gedreht und ähnlicher
Unsinn beschrieben, um eine Orgie
aufzuziehen. Das mag in einem Bordell
funktionieren, wo die Mädchen bezahlt
werden und sich ihren Partner nicht
aussuchen können - in einer
Gesellschaft freier Menschen klappt das
nicht. Wir haben so etwas auch nie
versucht: Man würde ja jemand unter
Druck setzen, mit einem anderen intim zu
sein, den man vielleicht überhaupt
nicht mag. Unsere Gäste - ganz
überwiegend gebildete, jedenfalls
zivilisierte Menschen - würden das
empört ablehnen oder
zähneknischend gute Miene zum
bösen Spiel machen und sich
vornehmen: Da gehe ich nie wieder hin. So
also geht es bei uns nicht.
Wir
machten das, was in einem früheren
Kapitel dieses Heftes als Spiele am
Kamin beschrieben ist. Jedes Paar
zog einen verdeckten Umschlag, in dem
irgend etwas stand, z.B.: Der Herr
macht seine Heldenbrust frei, schlägt
auf dieselbe und ruft laut und
vernehmlich: Ich bin der
Größte! Finden sich 3
Damen, die ihn küssen, so kann ihm
diese Übung erlassen werden. Seine
eigene Dame lächelt
fein.
5
der Paare waren so zwischen 30 und 40,
kultiviert, freundlich und aufgeschlossen.
Das 6. Paar war sehr knusperig-jung, nett
und freundlich, aber sehr scheu. Dieses
Paar hatte uns vorher schon zweimal
besucht, fand aber nie den Mut, mit
anderen Paaren in näheren Kontakt zu
treten. Und ausgerechnet dieses scheue,
junge Paar zog den Umschlag mit dem Joker:
Das Paar zieht sich zur Beratung
zurück und äussert dann einen
Wunsch. Die übrigen Gäste
stimmen ab, ob der Wunsch erfüllbar
ist oder nicht. Ist er nicht
erfüllbar, so muß das Paar zur
Strafe strippen. Ist er erfüllbar und
weigern sich jemand, ihn zu erfüllen,
so muß dieser zur Strafe
strippen.
Die
beiden setzten sich in eine Ecke und
begannen zu wispern. Das junge
Mädchen bekam einen ganz roten Kopf.
Aber tapfer kam es ein wenig stotternd aus
dem jungen Mann heraus: Wir
möchten mit Regina und Wolfgang
nach oben
gehen.
Wir
nahmen das als ein ganz, ganz großes
Kompliment. Nun ist zwar Regina sehr
attraktiv, sehr gut gebaut, viel
jünger als ich, knackig und ... und
... und (ich habe sie sehr lieb), aber -
um die bittere Wahrheit zu bekennen - ein
Adonis bin i c h nicht. Meine Stirn geht
bis zum Hinterkopf, die wenigen
verbliebenen Haare sind (in Ehren?)
erweißt und gegen mein
Bäuchlein (leicht geschmeichelt)
kämpfe ich vergebens. Da ist es
natürlich gut - sehr guuut - für
das Selbstgefühl, daß man sich
plötzlich von einem blutjungen, ganz
besonders netten und knusperigen jungen
Mädchen begehrt sieht, dessen Vater
man leicht sein könnte. Selbst wenn
vielleicht der eher verständliche
Wunsch des jungen Mannes dominierend war
und ich sozusagen nur
mitgenommen wurde, egal, wie:
ein großartiges Angebot. Nur eines -
und das ist die Tragik an dieser
verpaßten Gelegenheit - mit dem wir
an diesem Abend nichts anfangen konnten.
Während sich andere Frauen ihre
Party-Tage aussuchen können, ist
Regina immer da. Auch an den sogenannten
kritischen Tagen. Und dies war
einer!
Nun
war es an Regina und mir, rot anzulaufen.
Peinlich, peinlich. Zum Glück waren
die übrigen Gäste - wie oben
schon erwähnt- sehr kultiviert. Als
sie merkten, dass etwas nicht stimmte,
nahm ein besonders kluger und empfindsamer
Mann seine Frau an die Hand: Komm,
Liebling, wir gehen schon mal vor.
Die anderen folgten den Beiden, bis auf
das scheue, junge Paar. Die Spannung
löste sich in Lachen auf, als Regina
dem jungen Mädchen etwas ins Ohr
flüsterte.
Wir
haben noch ein gutes Gläschen
zusammen getrunken. Aber leider, leider -
das scheue, junge Paar kam nie
wieder.
Diese
Geschichte habe ich auch in den
Vorläufern dieses Büchleins
gebracht. Wir wurden von Gästen
öfter darauf angesprochen. Eine
feine Art, anzudeuten, daß Ihr nicht
mitmacht - war noch ein milder
Kommentar. So aber war das überhaupt
nicht gemeint. Stammgäste wissen
natürlich, daß wir an manchen
Veranstaltungen immer und auch sonst
manchmal mitmachen. Aber immer
zurückhaltend. Der erste
Kontaktversuch von uns kommt nur, wenn wir
uns durch das Verhalten eines anderen
Paares dazu ermutigt fühlen. In den
allermeisten Clubs machen die Inhaber
sowieso nicht mit. Von einem anderen wird
kolportiert, dort sei man unten
durch, wenn man nicht mit d e m
Inhaber im Bett gewesen sei. Dazu
gehört der Maihof nicht. Wir machen
mit - oder auch nicht. Wie jeder andere
Gast auch. Manchmal möchten wir gerne
dabei sein, aber unsere Pflichten als
Gastgeber (Jemand vom Personal krank, eine
Toilette läuft nicht ab, 2
Waschmaschinen streiken und
ähnliches, was der Gast nicht merken
soll) hindern uns daran, denn diese
betrieblichen Anforderungen gehen
selbstverständlich vor.
Der
Fast-Frührentner.
Ein
junger, gutaussehender Junggeselle, aus
guter Familie, wohlerzogen und auch noch
sehr, sehr reich! Der Wunschpartner vieler
unverheirateter Frauen. Ein guter, gern
gesehener Gast im Maihof, zusammen mit
immer der gleichen Freundin. Ich will ihn
Josef nennen, denn wie jener in der Bibel
war er beinahe verloren.
Josef
hatte die ideale Partnerin. Ebenfalls
jung, gute Figur, unternehmens- und
lebelustig. Es gab nur wenige Paare, die
dem gezielten Ansturm dieser beiden
attraktiven Leute widerstehen wollten. Nun
muß man wissen, daß vor AIDS
die Scene in solchen Clubs
äußerst locker war. Auch damals
gab es Paare, die nur unter sich bleiben
wollten, aber sie bildeten eine winzige
Minderheit. Bei den anderen, die sich
einmal entschlossen hatten, die Partner zu
tauschen, ging dies sehr unkompliziert.
Natürlich mußte damals wie
heute Sympathie dabei sein, aber Hemmungen
gab es eigentlich wenige.
So
waren also Josef und seine Freundin im
Maihof dafür bekannt, daß sie
tauschfreudig und auch noch sehr gut im
Bett waren. Ich kann nicht schätzen,
mit wie vielen sie gut im Bett waren, aber
Wenige waren es nicht.
Und
dann kam AIDS. Als die Schlagzeilen sich
überschlugen AIDS durch
Zungenkuß und ähnliche
sehr üble Scherze - ging im Maihof
nicht nur der Besucherstrom sehr
zurück, die Gäste änderten
auch ihr Verhalten sehr. Es wurde nicht
mehr wild getauscht, sondern
nur noch mit großer
Zurückhaltung, wenn überhaupt.
(In den Presse-Berichten in diesem Heft
kann man das in den Zitaten aus dem
SPIEGEL zutreffend nachlesen.) Und alle,
alle hatten Angst.
Am
meisten unser Josef. Für ihn war
klar: Wenn man schon durch einen
Zungenkuß AIDS bekommen konnte,
wieviel größer war da die
Warscheinlichkeit für ihn, der sich
hemmungslos ausgetobt hatte? Für ihn,
der zusammen mit seiner Freundin kein Paar
ausließ, daß halbwegs
anziehend aussah? Und an manchen Abenden
im Maihof nicht mit einer, sondern mit
einer Vielzahl von Frauen intim war? Es
konnte keinen Zweifel geben: Ihn hatte die
Seuche mit Sicherheit erwischt, bei seinem
losen Lebenswandel nach allem, was man so
hörte, eine
Selbstverständlichkeit.
Dies
ist keine Roman-Fantasie sondern wirklich
so geschehen! Es würden ihm also nur
noch wenige Jahre bleiben, vielleicht nur
Monate. Und die wollte er auf keinen Fall
unter den mitleidigen oder auch
schadenfrohen Blicken seiner Freunde,
Nachbarn, Bekannten verleben. Also
übertrug er sein gesamtes
Vermögen seinem Anwalt mit der
Weisung, es zu Geld zu machen. Also
zählte er seine flüssigen
Mittel, ließ sich von seiner Bank
auf sein Vermögen noch ein Darlehen
bereitstellen und suchte eine einsame
Insel weit weg im Pacifik, wo ihn keiner
kennen würde, wo er seine letzten
Tage mit seiner Freundin zu verbringen
gedachte.
Er
fragte seinen Arzt nicht, denn das war ein
guter Bekannter, offenbarte sich weder
seinem Anwalt und schon gar nicht seiner
Bank.
In
dieser verzweifelten Stimmung bekam er
eines Tages wieder Post vom Maihof, in den
er nun auch nicht mehr ging. Eigentlich
wollte er das Rundschreiben gar nicht
lesen, da fiel ihm auf, daß in
diesem Rundschreiben von AIDS die Rede
war. Wir boten an, bei uns im Haus
kostenlose und anonyme AIDS-Tests
durchzuführen. Das brachte ihn auf
eine Idee. Zwar wollte er sich nicht bei
uns testen lassen - die Gefahr des
Bekanntwerdens trotz Zusicherung der
Anonymität schien ihm zu groß.
Auch in seiner Umgebung traute er niemand
Verschwiegenheit zu. Er mietete sich also
mitsamt Freundin ein einer deutschen
Großstadt in einem Hotel ein,
ließ in einem privaten Labor unter
einer Nummer die Tests machen und bibberte
2 Tage lang dem Ergebnis
entgegen.
Es
war wie ein zweiter Geburtstag,
sagte er mir, als ich erfuhr,
daß wir beide negativ
waren.
Er
machte alles wieder rückgängig,
behielt sein Vermögen und ist heute
noch oft Gast im Maihof. Immer noch
attraktiv und tauschfreudig, aber nur noch
mit safer Sex. Der Schock
saß zu tief.
S
A F E R S E X : Auf dem Höhepunkt der
AIDS-Krise bekam jeder Gast einen
Fragebogen in die Hand gedrückt mit
der Bitte, diesen auszufüllen - nur
Kreuze, ganz anonym - und in unseren
Briefkasten zu werfen. 173 Frauen und 156
Männer = 329 Personen kamen dieser
Bitte nach. Das Ergebnis: 97 % der
Gäste hatten ihr Sex-Verhalten
geändert.
74,3
% betrieben nur noch safer
sex, indem sie zwar an Gruppensex
teilnahmen, den Partner aber nicht
tauschten; die Partner tauschten, aber
immer Kondome benutzten; mit AIDS-Test nur
mit solchen Paaren verkehrten, die
ebenfalls einen hatten, teilweise noch
zusätzlich mit Kondomen.
22.7
% tauschten zwar die Partner, aber sehr
vorsichtig: Sie hatten selbst einen
AIDS-Test oder verkehrten nur mit solchen,
die einen hatten, benützten
überwiegend Kondome, waren sehr
vorsichtig in der Auswahl der
Partner.
Nur
3 % hatten weder einen AIDS-Test, noch
benutzten sie Kondome, noch waren sie
vorsichtig in der Auswahl der Partner, nur
fanden Sie fast keine mehr.
Die
Hysterie ist abgeklungen, nachdem sich
alle Katastrophen-Prognosen für jeden
sichtbar als Unsinn entpuppten. Aber die
Gefahr ist geblieben, man kennt sie und
kann sich davor schützen. Immer noch
bieten wir anonyme, kostenlose AIDS-Tests
an, immer noch erhalten alle Gäste,
die einen Test haben, ein weißes
Schlüsselband. Rief neulich ein Gast
vor seinem Erstbesuch an: Hat man
denn ohne weißes Band bei Euch
überhaupt eine Chance? Meine
Antwort: Nur etwa 10 % der
Gäste haben derzeit überhaupt
ein weißes Band. Viele Gäste
benutzen Kondome oder treiben Sex nur bis
zu dem gewissen Punkt, der eine Ansteckung
ausschließt.
Clubbesuch
auf Stottern.
Dies
ist eine Geschichte, die Klaus in seinen
eigenen Worten erzählt hat. Ich habe
sie nur aufgeschrieben.
An
jedem Sonntag fand ich in der
Sonntagszeitung die gleiche Anzeige von
einem Pärchen-Club. Da ich in Bezug
auf Sex sehr neugierig bin, kaufte ich mir
ein Sex-Magazin und siehe da - dort fand
ich die gleiche Anzeige und eine
Beschreibung des Clubs noch dazu. Daraus
ergab sich, daß der Club nur ca 20
Km von meinem Wohnort entfernt ist. Nun
fasste ich Mut und rief einmal
an.
Dabei
hatte ich ein großer Problem: Meine
Freundin Marianne zu fragen, habe ich mich
gar nicht erst getraut. Also fragte ich
an, ob man auch als einzelner Herr kommen
könnte, bzw. ob man mir eine
Partnerin vermitteln würde. Beides
wurde strikt abgelehnt. So mußte ich
eine Strategie entwickeln, um sie in den
Club zu lotsen.
Am
Telefon erfuhr ich die Adresse und die
Party-Tage. Ich fuhr hin und sah mir das
Haus an. In der Nähe war ein
Restaurant. Marianne wunderte sich nach
einiger Zeit, warum ich sie an jedem
Wochenende zum Essen ausführte, und
zwar immer in dieses Restaurant. Auf der
Hin- und Rückfahrt machte ich immer
einen kleinen Umweg um den Club herum.
Irgendwas konnte da nicht stimmen.
Marianne wollte wissen: was?
Ich
habe ihr gebeichtet, daß in dem
bestimmten, schönen, großen
weißen Haus die Rhein Party zu Hause
ist. (Damals noch in Bad Dürkheim).
Und sie aufgeklärt, um was es ging.
Antwort: Große Empörung,
kommt überhaupt nicht in Frage,
Du Lustmolch! In dieser Sache war
dann 4 Wochen Funkstille, nur zum Essen
durfte ich sie nach wie vor in das
Restaurant neben der Rhein Party
führen.
Aber
aus dem Kopf war das Thema natürlich
nicht, es spukte nicht nur bei mir,
sondern jetzt auch bei ihr unterschwellig
weiter. Und eines Tages lag es dann wieder
auf dem Tisch. Hauptproblem: Angst vor dem
Unbekannten. Sie wollte nicht Freiwild
für jeden sein. Nun war ich
inzwischen den Clubinhabern Wolfgang und
Regina mit mindestens einem halben Dutzend
Anrufen auf den Wecker gefallen und hatte
dieses Thema längst abgeklärt.
Bei der Rhein Party muss nichts -
nicht einmal ausziehen muss man sich -
aber es kann vieles, Schönes,
sein, hatte man mir versichert. Was
Marianne natürlich nicht
glaubte.
Jetzt
wollte sie selbst anrufen. Die Nummer
hatte ich immer parat. Nach dem Anruf
sprach sie nur einen Satz: Wir
fahren hin! Aber ich war noch lange
nicht am Ziel meiner Wünsche. Es
wurde eine Fahrt auf Stottern. Am Haus
angelangt, verließ Marianne der Mut.
Heim. Stundenlange Diskussion im Auto -
ausgerechnet am Friedhof. Neuer Termin war
der nächste Freitag. Diesmal kamen
wir bis zum Eingang. Wieder heim. Dritter
Anlauf bis zur Klingel. Wieder nichts. Der
Mut hat mich verlassen.
Clubeinführung
für Anfänger stand kurz
danach in der Anzeige der Rhein-Party. Das
war das Stichwort. Diesmal schafften wir
es. Marianne hatte Magenkrämpfe und
Schweißausbrüche. Sie war
blaß, auf alles gefaßt und ein
Gesicht aus Stein. So kamen wir ins
Haus.
Was
uns versprochen war, stimmte alles.
Behagliche Atmosphäre, sehr
schönes Buffet, alles sehr wohnlich
und sauber. Zuvorkommende Gastgeber, nette
Gäste. Wir tauten langsam auf. Es war
auch schwierig, bei der wohligen
Wärme des offenen Kamins und dem
Charme der Gastgeber kühl zu bleiben.
Auch das Verhalten der anderen Gäste
- taktvoll und eher zurückhaltend -
gab uns Sicherheit. Und dann kam der
Hammer.
Einem
Gast hatte es Marianne besonders angetan.
Dieser hielt sich für
unwiderstehlich, sozusagen für
Adonis, Casanova und James Dean. Zu
aufdringlich. Viel dummes Gebabbel, wir
fühlten uns in eine Ecke
gedrängt. Da bekamen wir unerwartete
Schützenhilfe. Höflich aber
deutlich wurde er von Wolfgang und Regina
zur Schnecke gemacht. Der wurde so klein,
daß er sich wie Rumpelstilzchen
vorkommen musste. Diese Reaktion unserer
Gastgeber gab uns Vertrauen. Nun wagten
wir auch, die schönen Einrichtungen
des Hauses zu benutzen.
Wie
wir zu solchen Partys stehen? Wir sind
häufig wiedergekommen. Wir haben
unsere Augen und Ohren offen gehalten.
Jeder sucht die Bestätigung seines
Selbst. Er will wissen, daß er auch
für andere attraktiv ist. Der
übliche Seitensprung führt
früher oder später zum
Vertrauensbruch. Und das eigene schlechte
Gewissen bringt lähmende Kälte
ins Doppelbett.
Der
Alltagstrott nagt an jeder Liebe, wie Rost
an der Karosserie. Plötzlich erkennt
man, daß der
Selbstversatändlich gewordene Partner
von anderen heiß begehrt wird. So
blüht das eigene Begehren wieder auf.
Es ist vielleicht nicht untypisch, was mir
ein anderer Gast im Club einmal gesagt
hat: Bei der Rhein Party ist es sehr
schön. Und wir haben viel Spaß
dabei. Aber am allerschönsten ist es
danach zu Hause. Die Erinnerung regt die
Fantasie an und heizt uns wieder auf.
Soweit
der Klaus. Bei dem aufdringlichen Typ
nützte keine Ermahnung. Er erhielt
später Hausverbot.
R
H E I N - P A R T Y : Wie kam es zu dieser
Bezeichnung und warum verwenden wir sie
heute nicht mehr? Ursprünglich sollte
ein Schiff den Rhein rauf und runter
fahren, auf diesem sollten die Partys
stattfinden. Bis das Schiff umgebaut war,
fanden Partys zunächst im
Limburgerhof am Rhein statt. Dabei erwies
sich, daß dies auf einem Schiff
nicht ökonomisch durchführbar
sein würde. Der Name wurde in dem
neuen Haus in Bad Dürkheim
beibehalten, da er bereits gut
eingeführt war. Es gab ständig
Nachahmer, die mit Varianten dieses Namens
hausieren gingen. Z. B.
Rhein-Main-Party und
ähnliches, was natürlich auf
Verwechslung angelegt war. Nach dem Umzug
in den Maihof haben wir dann die
Bezeichnung Rhein - Party mehr
und mehr abgelegt und das Wort
Maihof in den Vordergrund
geschoben, vor allem, um solche gewollten
Verwechslungen
auszuschließen.
Schadenfreude.
Das
Problem von Klaus (Clubbesuch auf
Stottern), seine Freundin zum Mitgehen zu
bewegen, ist keineswegs nur das seine.
Viele Männer haben Schwierigkeiten,
ihre Freundin, Lebensgefährtin oder
Ehefrau dazu zu bringen, einen Club-Besuch
zu wagen.
Manche
machen sich das sehr leicht. Oberster
Grundsatz aller Clubs ist: Nichts muss,
vieles kann ... Daraus schließen
Sie: Ich darf, sie muss nicht. Also kann
ich irgend ein Mädchen mitnehmen, dem
ich wahrheitsgemäß versprechen
kann, daß es nichts mitmachen muss.
Einige wenige Kavaliere gingen sogar so
weit, ihrem Mädchen überhaupt
nichts zu sagen, höchstens, daß
man zu guten Freunden zu einer Party
ginge. Denen sind dann die Augen aus dem
Kopf gefallen, als nach einiger Zeit die
Leute mehr oder weniger nackt ungeniert im
Haus herumliefen. Das gab manchmal
unangenehme Scenen, denn nicht jede
erstarrte in stummem Protest, manche
machten Krach. Mit Recht, aber angenehm
ist das nicht.
So
haben wir denn eingeführt, daß
jedes neue Paar zunächst einmal
unsere Hausordnung lesen muss. Damit sind
Irrtümer dieser Art ausgeschlossen,
auch ist den Mädchen, denen vorher
versprochen war, sie müssten nichts
mitmachen, nun klar, daß das
selbstverständlich stimmt, nur das
Kalkül des Mannes geht nicht auf: Von
ihm erwarten wir ebenfalls
Zurückhaltung im Kontakt mit Anderen,
sonst läuft er Gefahr, hinausgeworfen
zu werden.
Rainer
wollte seine Frau Tina schon immer dazu
bringen, in den Maihof zu gehen. Aber sie
wollte nicht. Sie habe kein Verlangen nach
Sex mit Anderen, sei mit ihm
glücklich, habe Angst, in eine
Zwangssituation zu geraten. Nun ist Rainer
kein sehr feinfühliger Mensch, ein
Chauvi, würde man heute sagen, aber
jedenfalls einer, der seinen Kopf
durchzusetzen weiß. So erklärte
er seiner Frau kurz und bündig:
Ich will wissen, was das ist.
Hingehen werde ich auf jeden Fall -
entweder mit Dir oder einer anderen.
Tina kannte ihren Rainer und hielt es
für klüger, sich zu
fügen.
Beim
ersten Besuch gab sich Rainer
kontaktfreudig und freundlich, blieb bei
Tina, die erstarrt daneben saß und
Abwehr ausstrahlte. Zum ersten Mal an
diesem Abend hat sie erst gelächelt,
als sich beide verabschiedeten. Beim
zweiten Besuch ging es schon etwas besser.
Als gutaussehender Mann hatte Rainer bald
Chancen, Tina natürlich auch, doch
wehrte sie alle Annäherungen
freundlich aber bestimmt ab. Und sie litt,
das sah man. Dies war so ein Fall, bei dem
man überlegen muss, ein Hausverbot
auszusprechen, denn Rainer war immer
wieder mal für eine Weile
verschwunden.
Beim
dritten oder vierten Besuch ging die Sonne
auf. Rainer war irgendwo oben,
Tina saß an der Bar und unterhielt
sich mit Regina. Ich stand daneben und
konnte alles gut verfolgen. Ein Mann war
an die Bar gekommen, er offensichtlich der
Traummann für Tina. So
toll sah er für meine Begriffe
eigentlich gar nicht aus - aber was
verstehen wir Männer schon von
Frauen-Gefühlen? Jedenfalls: Ihr
vorher gelangweilt-neutrales Gesicht
strahlte plötzlich Wärme und
Interesse aus, ihre Körperhaltung
veränderte sich unbewusst auf leicht
provokative Weise, die Hände wurden
beim Erzählen lebhaft, kurum, sie war
wie eine stille, verschlafene Landschaft,
die im Sonnenschein zu Leben und Farbe
erwacht.
Und
der Mann, der eigentlich nur etwas zum
Trinken holen wollte - seine Begleiterin
war oben - hatte eine sehr
gute Antenne, spürte die ihm
entgegenschlagende Sympathie und gesellte
sich dazu. Fing ein Gespräch an.
Regina und ich kamen uns sehr schnell
überflüssig vor und verzogen uns
- in einem Treff für Paare gibt es
für die Inhaber immer etwas zu tun.
Die beiden verschwanden nach
oben und wurden für einige Zeit
nicht mehr gesehen. Nur Rainer tauchte
kurz danach wieder auf - oben
war wohl nichts. Und er trank einen
Cognac, als ihm klar wurde, daß Tina
diesmal eben nicht brav an der Bar
sitzengeblieben war. Es wurden noch zwei
oder drei Cognacs mehr.
Sein
Gesicht wurde immer sauerer und er
rutschte auf dem Barhoker hin und her.
Tina hatte uns angedeutet, aus welchem
Grund sie gekommen war. Und selbst der
Frömmste wird nicht leugnen
können: Schadenfreude ist eine
schöne, wenn auch nicht gerade die
schönste Freude. Äusserst
befreiend. Uns tat das richtig gut. Und
das muss ich zu Rainers Ehrenrettung
sagen: Macho oder nicht, es gab kein
böses Wort, keine böse Frage, er
gab sich allergrößte Mühe,
unbefangen und freundlich zu sein, als
Tina wieder auftauchte.
Sie
kommen seit Jahren immer wieder.
Vielleicht ist es jetzt sie, die den
Anstoß gibt?
W
o i s t d i e G r e n z e ? Ein sehr
erfolgreicher Unternehmer, der später
einen ebenso erfolgreichen
Pärchenclub gründete, war der
Meinung, daß man so ein Unternehmen
im Wege des Franchising - so ähnlich
wie Mc Donalds - an Subunternehmer abgeben
kann, immer nach dem gleichen Schema. Er
ist damit gescheitert, denn er hat nicht
bedacht, daß so ein Club nicht von
der Einrichtung, dem Dekor und den Regeln
eines Hauses lebt, sondern ganz
ausschließlich von den Menschen, die
das Haus führen. Da sind dann die
Grenzen ganz schnell ganz nahe.
Am
obigen Beispiel: Eigentlich hatte Rainer
ja schon gegen die Hausregel
verstoßen, denn wenn die Partnerin
nicht mitmacht, wird von ihm ebenfalls
Zurückhaltung erwartet. Aber hier
kommt jetzt das menschliche Element dazu,
das Fingerspitzengefühl, nach dem man
entscheidet, ob die Regel nur nach dem
Wortlaut, oder schon nach dem Sinn
verletzt ist. Niemand ist unfehlbar. Aber
die Trefferquote sollte schon weit
über 50 % liegen, wenn man in einem
solchen Haus oder sonstwo erfolgreich sein
will.
Der
Mann, der immer kann.
Wer
für so ein Büchlein Geld
ausgibt, erwartet sachliche Information,
aber sicherlich auch mal eine Geschichte,
die so nicht im Readers Digest
stehen würde. Dies ist so eine, bei
der Regina und ich nicht gerade mit einem
Heiligenschein gekrönt sind,- aber
warum auch nicht? So ein Haus
führt man ja schließlich nicht,
wenn man ein Moral-Apostel ist.
Da
gab es und gibt es immer noch -leider zu
selten- ein Paar im Club, das aus
besonderen Gründen ungeheuer
anziehend wirkt. Grete sieht gut aus, hat
keine Launen, macht vieles mit, wenn auch
nicht alles. Dieses Paar ist aber
hauptsächlich anziehend seinetwegen.
Heinrich will ich ihn nennen. Obwohl er
kein Schönling ist, kein eigentlicher
Frauenheld, aber die Natur hat ihn ganz
besonders begünstigt.
Richtig.
An der Stelle. Mit einem Apparat, der
seinesgleichen sucht. Schon im
eingefahrenen Zustand -unter der kalten
Dusche- ist er eine Wucht, wie ihn wenige
selbst bei voller Erektion aufweisen
können.
Nun
gibt es ja viele kluge Gelehrte, die den
Frauen weismachen wollen, daß es auf
die Länge und den Umfang
überhaupt nicht ankommt, sondern
allein auf die gute Technik. Wers glaubt,
soll damit selig bleiben. Die meisten
glauben es nicht. Ich kann mit
kleinen Männlein nichts
anfangen, kann man weiter vorne in
diesem Büchlein lesen, unter 20
cm läuft bei mir nichts. So
denken vermutlich viele, ob zu Recht oder
nicht. Auf alle Fälle ist ein solches
außergewöhnliches Instrument
für die meisten Frauen ein
Anziehungspunkt oder besser eine
Anziehungslänge.
Und
Frauen sind ja in Bezug auf Sex
außerordentlich neugierig, wie
Männer übrigens auch. Da wird
natürlich gewispert und getuschelt.
Und wenn dann auch noch davon die Rede
ist, dass dieser Mann immer
kann, dann potenziert sich die
Neugierde, nicht nur bei den Frauen. Und
das war der zweite Teil der
Gerüchte.
Diskretion
ist unser Motto. Auch in dieser Geschichte
sind die Grundfakten so verändert,
daß selbst die Betroffenen Mühe
haben dürften, sich wiederzuerkennen.
Aber auf Wahrheit beruht sie. Wir kriegen
viel erzählt, obwohl man von uns
praktisch nie was erfährt. Über
Gäste sprechen wir nie, was uns nicht
daran hindert, sehr genau hinzuhören,
wenn über Gäste gesprochen wird.
Und so erfuhren wir die Geschichte von dem
Mann, der immer kann. Wir
haben es so eingerichtet, daß wir
zufällig gerade unter die
Dusche gingen, als er auch da war. Und den
ersten Teil der Gerüchte sah man
augenfällig bestätigt. Und es
fanden sich wie zufällig
noch mehr Besichtiger ein, vornehmlich
Frauen, deren Blicke verstohlen in die
gleiche Richtung gingen. Soweit so gut.
Aber wie sollte man herausbekommen, ob
auch der zweite Teil der Gerüchte
stimmte?
Männer
waren - von wenigen geschichtlichen
Ausnahmen abgesehen - noch nie besonders
gute Intriganten. Frauen hingegen ...
Nein, wirklich, ich bin kein Macho, ober
bemühe mich wenigstens, keiner zu
sein. Aber gibt es denn außer dem
kleinen Unterschied nicht noch
viele, viele andere? Wären Frauen so
wie wir, würden sie noch liebenswert
sein?
Also,
Regina ist eine Vollblutfrau, die bei mir
offene Türen einlief mit der
Andeutung, den zweiten Teil der
Prophezeiung verifizieren zu wollen, zumal
ich schon lange ein begehrliches Auge auf
Heinrichs Grete geworfen hatte. Wir
machten also einen Plan, wie wir es
einrichten könnten, mit den beiden
zusammen zu sein, bevor diese von den
ungeheuren Anforderungen, die an sie
gestellt wurden, total erschöpft sein
würden - denn selbst
immer ist irgendwie
relativ.
Die
beiden wollten bei uns übernachten,
hatten aber kein Zimmer reserviert.
Eigentlich waren alle Zimmer belegt, aber
eins wurde frei. Psst...psst... niemand
etwas sagen, andere hätten das Zimmer
auch haben wollen. Nun mußte es
gleich belegt werden und zwar so,
daß niemand sonst hineinkonnte, also
abschließen. Und nur aufzumachen,
wenn w i r klopfen würden : 5 x kurz.
Dann bemühten wir uns sehr, die
übrigen Gäste schnell
loszuwerden, was sonst durchaus nicht
unsere Art ist. Und stürmten - 5x
kurz geklopft und den Nachschlüssel
benutzt - in das Zimmer, in dem die beiden
fleißig zugange waren, als
wären sie nicht schon den ganzen
Abend fleißig zugange
gewesen.
Es
war herrlich und ging bis in den
frühen Morgen. Die Vöglein
zwitscherten schon von allen Bäumen,
ich lag total erschöpft und
ausgelaugt, platt wie eine Flunder mit
Bauch, alle Viere von mir gestreckt neben
den Dreien, die immer noch zugange waren,
überhaupt nicht aufhören
wollten. Und dieses kann ich aus eigener
Anschauung bezeugen: Die Fama ist
Wahrheit. Das war und ist der Mann, der
immer kann. Jede Stunde einmal -
mindestens. Von solcher Art muss der
Lustgewinn gewesen sein, um dessentwillen
Doktor Faustus seine Seele an den Teufel
verkaufte. Das Gretchen ächzte und
stöhnte, aber Heinrich, mir
grausts vor Dir! rufen
hören habe ich sie n i c h t
.
Negerküsse.
Alle
neuen Gäste bekommen nicht nur die
Hausordnung zu lesen, sie werden auch
durchs Haus geführt. Alles Wichtige
wird erklärt und - wenn das Paar zum
ersten Mal in einem solchen Club ist -
werden auch praktische Tips und Hinweise
gegeben, wie sie an anderer Stelle dieses
kleinen Büchleins ja schon
erläutert sind. Manchmal setzt man
sich dazu auch in eine Ecke und
läßt sich Zeit mit dem
Erklären, schließlich ist es
für ein neues Paar sehr wichtig, sich
gleich zu Hause zu
fühlen. Auch ist es für uns sehr
interessant, Kontakt mit neuen Paaren zu
haben, so kann man die Spreu - sprich
Prostituierte - sehr schnell vom Weizen
trennen.
Eines
Abends - noch in Bad Dürkheim - war
ich gerade dabei, solche Erklärungen
einem neuen Paar zu geben, als Regina ganz
aufgeregt dazu kam und mir sagte, ich
werde am Telefon verlangt. Es kommt schon
mal vor, daß sie mich an den Apparat
ruft, wenn Franzosen oder Engländer
anrufen. Das war jedoch diesmal nicht der
Fall. Vielmehr stand sie vor einem
Dilemma, einer Entscheidung, die sie nicht
allein treffen wollte.
Ein
Paar war gekommen, das wir gut kannten und
das brachte einen zweiten Mann mit. Im
Normalfall ist das kein Thema: Es werden
nur Paare eingelassen, der zweite Mann hat
keinen Zutritt. Hier aber handelte es sich
um einen auch noch gut aussehenden Neger,
der Sam heißen soll - eigentlich
heißt er natürlich anders. Als
ich dazu kam, hatte er zusammen mit seinen
Freunden am Eingang Platz genommen. Ich
stellte mich vor und erklärte ihm,
warum es nicht möglich sei, ihn an
der Party teilnehmen zu lassen. Aber er
könne gern noch einen Drink haben,
bevor er leider wieder gehen
müsse.
Einen
weißen Mann hätten wir gar
nicht erst zur Tür hereingelassen,
wenn man das tut, werden manche Typen sehr
insistent, man kriegt sie kaum wieder los.
Sie werden in der Regel an der Tür
abgefertigt, ggflls mit Prospekten
versehen. Warum Regina hier instinktiv
anders gehandelt hat, wurde uns eigentlich
erst hinterher klar: Selbst
Angehörige einer Minderheit
können wir mit anderen fühlen,
die - wenn auch aus anderen Gründen -
ebenfalls diskriminiert werden. Ich
bemühte mich daher sehr, ihm
klarzumachen, daß sein Hinauswurf
mit seiner Hautfarbe absolut nichts zu tun
habe und daß er jederzeit mit einer
Begleiterin bei uns wilkommen sei, nur
eben nicht allein. Er nahm seinen Drink
und zeigte Verständnis.
Kurz
danach klingelte es wieder an der Tür
und - wie das Leben manchmal so spielt -
ein Mann stand da mit 2 Damen. Gegen eine
Extra-Dame haben wir nichts, einfach
deswegen, weil das sehr selten vorkommt.
Wir haben im Prinzip auch nichts gegen
einzelne Herren, nur - davon gibt es
Unmengen, die den Club sofort
überschwemmen würden,
ließe man Ausnahmen zu. Jetzt aber
ergab sich durch Zufall, daß die
Zahl der Männer und Frauen gleich
gewesen wäre - sollte Sam dableiben
dürfen?
Regina
und ich zogen uns zur Beratung zurück
und kamen nach einiger Diskussion zu der
Entscheidung: Er durfte bleiben, einmal
sollten auch Fünfe gerade sein,
einmal sollte seine schwarze Haut ihm auch
mal einen Vorteil bringen. Er benahm sich
korrekt, höflich und kultiviert, wir
haben unsere Entscheidung nicht
bereut.
Am
Ende jener Party jedoch stellte mich ein
Gast: Wolfgang, mit dem Schwarzen
hast Du Dich nicht korrekt verhalten. Nach
Deinen eigenen Hausregeln hätte er
nicht bleiben dürfen. Das hat
mich schon getroffen und ich wollte nun
wissen, wie denn die anderen Gäste
darüber dächten. Ich habe nicht
nur an diesem Abend jeden Einzelnen
gefragt, sondern auch an den folgenden
Partys, an denen ich die Situation
schilderte und um Kommentare bat. Das
Ergebnis war hoch interessant: Von den
Frauen fanden alle ohne Ausnahme mein
Verhalten richtig, von den Männern
kritisierte mich etwa die
Hälfte.
Einige
Wochen später - gerade hatte ich an
der Bar diese story erzählt - als es
klingelte und - wer kam? Sam erschien mit
einer erotisch-schönen schwarzen
Freundin zu seinem ersten
regulären Besuch. Die
Gäste und wir staunten nicht
schlecht: gut gebaut mit Holz vorm
Haus, dunkel, aber europäische
Züge, die Haare mühevoll in
unendlich viele kleine Zöpchen
geflochten! Und die stumme Frage stand in
allen Gesichtern geschrieben: Ist das der,
von dem Du eben erzählt hast? Meine
ebenso stumme Antwort war ein
Kopfnicken.
Sam
hat herzlich gelacht, als ich ihm
später erzählte, daß er
gerade in meine Beschreibung seines ersten
Besuches hineinplatzte. Überhaupt hat
er Humor, gehört er doch zu den
wenigen Menschen, die sich nicht so
furchtbar wichtig nehmen und noch
über sich selbst lachen
können.
Bei
uns findet man Schalen mit Konfekt,
Bonbons, Salzstangen, Nüssen usw.
Wenn sonst nichts klappen sollte, hat man
damit immer noch etwas zum
Vernaschen. Manchmal gibt es
auch sogenannte
Negerküsse, die
sicherlich jeder kennt. Eine sehr liebe
und liebenswerte Dame ist auf diese
abonniert und an diesem Abend hatten wir
gerade keine. Sie fragte mich nach
Negerküssen. In dem Moment, noch
bevor ich antworten konnte, klingelte es
an der Tür und herein kam Sam mit
seiner schönen schwarzen
Freundin.
Ich
bin ein eher trockener Mensch, aber
gelegentlich hat man auch mal seine
Sternstunde: Tut mir leid, ich habe
heute keine Negferküsse,
höchstens in Natur. Da kommen gerade
zwei Neger hereinspaziert, frag sie
mal, ob sie Dich küssen wollen!
Das Gelächter ringsum war homerisch
und steigerte sich noch, als Sam -
über meine Bemerkung aufgeklärt
- spontan zu der lieben, liebenswerten
Dame ging und sie küsste.
Der
Brilli.
Auch
Prominente haben durchaus gleiche
Wünsche wie wir Unprominenten auch.
Bekanntlich gibt es nicht sehr viele
Abgeordnete des Bundestages (MdB) und auch
eine begrenzte Zahl von Agbeordneten der
jeweiligen Landtage (MdL). Um
Skandal-Journalisten die Fahndung zu
erschweren, möchte ich unseren Gast
also Abgeordneter des Parlaments - kurz
MdP - nennen, da kann man lange suchen,
bis man einen findet, auf den die
Beschreibung passt.
Unser
MdP hat natürlich große Angst,
erkannt und von seinen politischen Gegnern
vorgeführt zu werden. Deswegen
trägt er bei uns eine Brille aus
Fensterglas und eine schwarze
Perücke, kein Toupee, denn blonde
Haare hat er noch. Eine Beschreibung
seiner - eigenen!- Frau möchte ich
unterlassen. Uns hat er sich anvertraut
und darum gebeten, ihn zu warnen, falls
Journalisten im Haus sind, was immer
wieder vorkommt. Auf Grund des Vorfalls,
um den es hier geht, hat er sich
inzwischen anders getarnt.
Einige
Gäste tragen sogenannten
Intim-Schmuck. Der wird an den
verschiedensten Stellen befestigt, beim
Mann z.B. an den Hoden, bei der Frau an
den Brustwarzen, an den äußeren
Schamlippen, sogar an der Klitoris. Wir
haben einmal eine Modenschau veranstaltet.
Gäste zeigten ihren Schmuck und die
Hersteller gaben dazu Erklärungen ab.
Im allgemeinen muß zum Anbringen des
Schmucks die Haut durchstochen werden, so
wie bei Ohrringen. Es gibt auch andere
Methoden, aus den USA kommt eine Mode, die
Brustwarze mit einem dünnen Faden -
nach Art eines Lassos - einzufangen.
Mitunter bleibt auch ein Metallbügel
in der Haut, an den dann jeweils ein
anderer Schmuck angeschraubt werden
kann.
Es
wird berichtet, daß je nach Art der
Anbringung die sexuelle Lust damit
gesteigert werden kann - auf jeden Fall
ist solch ein Schmuck, wenn er gut gemacht
ist, ein Anziehungspunkt. Wenn man es
nicht weiß und plötzlich etwas
Hartes im Mund hat, kann das im ersten
Moment ein ganz schöner Schreck sein,
bis sich das Rätsel löst. Unser
MdP gehört zu den beliebten
Männern, die gern mal eine Frau
verwöhnen. Und die er an
diesem Abend erwischt hatte, hatte als
Intimschmuck an den äußeren
Schamlippen zwei kleine Brillianten
befestigt. Offenbar hat er die Gute ein
wenig zu heftig verwöhnt mit der
Folge, daß Sie ihn an den Haaren
packte und wegstoßen wollte. Nur
hatte sie statt des Kopfes die
Perücke in der Hand und war erstmal
platt. Dann griff sie in seine richtigen
Haare und schob ihn fort und dabei
muß es dann geschehen sein. Als sie
sich nach Wunden abtastete,
schrie sie: Mein Brili ist
weg! Einer war noch da, aber der
andere eben nicht. Da sie außerdem
auch noch mit der Perücke in der Hand
herumwedelte, war das schon eine irre
Situation.
Wo
konnte der Brilli sein? Nach allem musste
unser MdP ihn verschluckt haben. Suche in
den Polstern war vergeblich. Die anderen
Gäste in der Mausefalle konnten die
Sache natürlich nicht ignorieren,
jegliche sexuelle Aktivität war
erstorben oder besser erschrumpft.
Peinlich, peinlich. Es kamen freundliche
Ratschläge: Wenn Du das
nächste mal auf den Lokus gehst
... Dies schien die einzige Methode,
den Brilli aus dem Bauch des MdP wieder
herzuschaffen.
Bis
dann einer auf die Idee kam, zu uns zu
kommen und um eine Taschenlampe zu bitten.
Wozu? Jemand hat seinen
Brilli verloren, vielleicht ist er ja
unter den Matratzen. Nun verliert
dauernd jemand bei uns was, den
Schrankschlüssel, die Uhr, Schuhe,
Höschen usw usw und wir stören
nicht gern alle anderen, die im Raum sind,
indem man anfängt, die Matratzen
hochzuheben und zu suchen. Bei diesem
Sachverhalt machten wir eine Ausnahme, in
der Mausefalle wurde ohnehin nicht mehr
gemaust.
Alles
sorgfältigst abgesucht - und siehe
da, der kleine Brilliant fand sich in
einer weit entfernten Ecke wieder. Wie er
dahin kam, ist bis heute ein
ungelöstes Rätsel und Gegenstand
von Spekulationen.
P
r o m i n e n t e : Immer wieder mal gibt
es Prominente im Maihof. Mal ist es ein
ganz bekannter Geschäftsmann, mal ein
Künstler, mal ein Politiker, mal
sonstwer. Sagte eine Dame, deren Konterfei
in allen Gazetten zu sehen war:
Manchmal habe ich das Gefühl,
als würde ich hier
Spießruten-Laufen. Manche Leute
starren ganz unverschämt. Das
ist nun mal der Lohn der Berühmtheit.
Aber ich möchte meine Gäste doch
auch loben. In einem ganz bestimmten Fall
wäre es einem sehr verärgerten,
ganz bestimmten Boulevard-Blatt sicherlich
ein paar Tausender Wert gewesen,
Näheres über eine bestimmte
Person in Verbindung mit dem Maihof zu
erfahren. Das hätte eine absolut
passende Schlagzeile gegeben. Alle
wußten es - niemand muckste
sich.
Auch
weniger Prominente möchten lieber nur
wenig in Erscheinung treten. Nicht nur,
aber auch für diesen Zweck haben wir
im Maihof einen Teil des alten
Hauses aus dem Jahre 1712 unter
weitgehender Verwendung der alten
Bausubstanz zu einem Schatzkästlein
umgebaut. Es handelt sich um eine Suite,
bestehend aus einem Vorraum, einem
Wohnzimmer, einem Schlafzimmer und einem
Wohnbad. Erlesene Teppiche und
Hölzer, ein offener Kamin, Video in 3
Räumen, 3 Musik-Programme, Whirl-Pool
- alles vom Feinsten. Über diese
Suite gibt es begeisterte Kommentare. Sie
eignet sich vorzüglich, einen
Club im Club zu bilden, indem
man sich dahin einlädt, wen man will.
Man ist abgeschlossen und unter sich.
Diese Suite kann man übrigens auch
mieten, wenn der Maihof sonst geschlossen
ist.
Glitzersternchen.
Im
Maihof spricht man sich nur mit den
Vornamen an. Auf diese Weise gibt es viele
Wolfgangs, Reginas usw., die fast
unmöglich zu unterscheiden sind. Da
helfen wir uns mit zusätzlichen
Bezeichnungen, die Regina und ich
allerdings nur unter uns benutzen, wenn
einer dem anderen klarmachen will, wer
gemeint ist. Z.B. Helgas: Däs Helga
(kommt aus dem Saarland, da spricht man
so), die schöne Helga, die
Fallschirm-Helga (Fallschirmspringerin),
die Busen-Helga (Super-Busen), die Helga
vom Klaus usw.
Eine
Dame heißt unter uns
Glitzersternchen, und das kam
so:
Frauen
haben immer Kleiderwünsche und sie
finden auch immer einen Anlass, warum sie
gerade jetzt ein neues Kleid brauchen. Die
einfachste und logischste Begründung:
Wolfgang, ich kann doch an Deinem
Geburtstag nicht mit einem alten Kleid
herumlaufen, dann meinen die Leute, Du
wärst geizig. So auch an diesem
6. Dezember, dem Tag des Nikolaus. Da
würde ich wieder meinen roten
Weihnachtskittel vom Vorjahr anziehen mit
Kapuze darüber - weißen Bart
brauche ich nicht, habe ihn selber. Aber
Regina, meine gute und geliebte Regina,
was sollte die Arme anziehen? Ein
weißes Kleid musste her,
schließlich sollte sie ja als
Christkind mich begleiten. Und ein
Christkind muss auch angezogen sein wie
ein Christkind! Es gab da zwar noch ein
ganz vorzüglich geeignetes Kleid vom
Vorjahr - aber das kam überhaupt
nicht in Frage, das war viel zu kurz? oder
eng? oder irgendwas - es ist mir
entfallen.
Also
sind wir los, ein Kleid zu kaufen. Dabei
waren wir durchaus knapp bei Kasse und
außerdem sah ich überhaupt
nicht ein, warum ein neues Kleid her
sollte. Ich beschloss also, den Kauf zu
sabotieren. Wir waren in 3 Geschäften
und kein Kleid passte. Hier meine
Kommentare: Drückt Deinen Busen platt
- viel zu lang - macht Dich alt -
unmöglich - betont Deinen Bauch - und
was mir sonst noch so alles
einfiel.
Schließlich
waren wir in einem ganz feinen Haus
gelandet. Wozu brauchen Sie es
denn? Ich soll heute Abend das
Christkind spielen. Ah! Sie
sind beim Theater! Sowas ähnliches
hatte ich mir schon gedacht. Wie
glatt das Regina runterging! Nein,
nicht direkt, aber eine
Laienaufführung, zog sie sich
aus der Schlinge. Die Verkäuferin,
eine attraktive Dame um die 30, schleppte
Kleid um Kleid an und immer, wenn sie um
die Ecke kam, glitzerte es. Auf einem
feinen Jersey-Pullover hatte sie
nämlich einen großen Stern aus
glitzernden Pailletten und Steinen, die im
hellen Licht des Ladens
funkelten.
Und
dann brachte sie ein Kleid, das mir
wirklich gefiel. Es schien das Einzige zu
sein, jedenfalls hing nur dieses von der
Sorte im Regal. Es wäre genau richtig
für unseren Zweck gewesen, nur zum
Glück ein wenig zu weit.
Schade, sagte ich
unvorsichtigerweise, das wäre
genau richtig. Nur leider zu
groß. Oh, wir haben es
auch noch kleiner, kam prompt die
Antwort von Glitzersternchen,
so hatte ich die Verkäuferin schon
getauft. Und wirklich holte sie aus einem
anderen Schrank das gleiche Kleid eine
Nummer kleiner. Es passte wie angegossen,
für unseren Zweck ideal, nur viel zu
teuer. Ich hatte mich in eine
unmögliche Situation manövriert,
Regina sah mich mit Unschuldsmine an. So
haben wir den letzten Euroscheck
ausgefüllt, noch Bargeld dazugelegt -
der geplante Einkauf für das Buffet
fiel an diesem Tage mager aus. Aber Regina
hatte ihr Kleid und war selig.
Zu
vorgerückter Stunde - ich hatte
meinen Sack mit den kleinen Nikolaus-Gaben
schon auf dem Buckel, als es schellte.
Tür auf und vor uns stand
Glitzersternchen mit ihrem
Mann.
Verblüfftes
Staunen auf beiden Seiten. Jetzt
weiß ich, wofür Sie das Kleid
brauchten! platzte es aus ihr
heraus. Die Situation fanden wir so
komisch, daß wir uns gebogen haben
vor Lachen. Und den Pullover mit dem
Glitzerstern hatte sie auch an.
Liebes
Glitzersternchen! Diese Geschichte kann
man nur so erzählen, daß Du
Dich darin wiedererkennst. Aber
außer uns Vieren weiß es ja
niemand. Sei mir nicht
böse!
Der
Junggeselle.
Ca.
80 % der Paare, die zu uns kommen, sind
verheiratet, und zwar miteinander, was
bemerkenswert ist. So ganz genau wissen
wir das allerdings nicht, denn wir
verlangen an der Haustür nicht die
Vorlage eines Trauscheins. Doch gibt es
viele Anzeichen, aus denen man darauf
schließen kann, ob ein Paar
zusammenwohnt oder nicht.
Die
Zusammensetzung der restlichen Paare ist
sehr verschieden, darunter gibt es auch
einige Hagestolze, die partout nicht
heiraten wollen und mit ihrer Freundin
kommen. Von einem dieser Hagestolze soll
hier Rede sein. Mittelgroßer,
athletischer Typ, blond mit tiefblauen
Augen, erfolgreicher Manager, so
würde man ihn
einschätzen.
Seine
Freundin? Da eben liegt der Haken. Er hat
nicht eine, sondern immer wieder eine
für 1 Jahr, manchmal auch
länger, dann wechselt er das Modell.
Wobei ich gar nicht einmal glaube,
daß das an ihm liegt, vielmehr
daran, daß alle seine bisherigen
Freundinnen ihn offenbar heiraten wollten
- und da ist bei ihm die Schallgrenze. Die
folgende Bemerkung stammt nicht von ihm -
dafür ist er zu feinfühlig -
könnte aber auf ihn passen:
Warum gleich eine ganze Kuh kaufen, wenn
man nur ab und zu ein Glas Milch trinken
will? Die er gegenwärtig hat,
ist ganz besonders verliebt in ihn, man
darf annehmen, daß auch sie ihn
gerne heiraten möchte. Und so wird er
uns wohl in absehbarer Zeit wieder eine
neue Freundin vorstellen.
Wir
hatten keine Ahnung, was er von Beruf war,
noch wo er wohnte, denn wir fragen nie
danach. Eines Tages erzählte ich eine
kleine Geschichte an der Bar. Folgendes
war passiert:
Ein
privater Radio-Sender hatte zu einer
Präsentation eingeladen. Bei diesem
Sender machten wir intensive Werbung, vor
allem, um herauszukriegen, ob
Radio-Werbung sich überhaupt für
uns lohnt. Es sollten verschiedene Leute
kurze Vorträge halten, u.a. auch ein
Direktor einer sehr bekannten Werbefirma.
Es gab ein Buffet, das Regina und ich
fachmännisch und kritisch
begutachteten - unseres ist wesentlich
besser, nur dieses war gekonnter
dargebracht: Magere 6 Scheiben Lachs auf
einer Riesenplatte und viel Firlefanz
drumherum. Aber ich schweife
ab.
Die
Firma hatte ihre Mitarbeiter auf die
verschiedenen Tische verteilt, um auf
diese Weise persönlichen Kontakt zu
ihren Kunden zu bekommen. Zufällig
saß an unserem Tisch der
Programm-Direktor, der sich leutselig mit
uns unterhielt. Irgendwie kam das
Gespräch auf die Zusammensetzung der
werbenden Firmen und der gute
Programm-Direktor ließ einen Bolzen
los: Sie werden staunen, aber wir
sind ganz freizüg. So gehört zu
unseren Kunden auch ein Puff. Nun
hatte ich diesen Sender im Auto-Radio
immer eingeschaltet und wusste daher,
daß außer uns dort niemand
Werbung trieb, der mit Sex etwas zu tun
hatte. Also hakte ich nach und es kam
heraus, daß der Maihof gemeint war!
Wir haben dem guten Mann dann den
Vorläufer dieses Büchleins
zugesandt, um ihn aufzuklären. Er hat
sich sehr entschuldigt. Aber ich schweife
schon wieder ab.
Der
Direktor der Werbeagentur hielt einen
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